DREH DICH NICHT UM. JENNIFER L. ARMENTROUT.

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INFOS

Erschienen: 10/04/17
Verlag: Heyne
Seitenzahl: 384
ISBN: 978-3453412897
Preis: 8,99€ [D]

ZUR AUTORIN

Jennifer Armentrout hat sich in den USA bereits einen Namen gemacht: Immer wieder stürmt sie mit ihren Romanen (fantastische, realistische und romantische Geschichten für Erwachsene und Jugendliche) die Bestsellerlisten. Ihre Zeit verbringt sie mit Schreiben, Sport und Zombie-Filmen. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und zwei Hunden in West Virginia.

Quelle: Heyne

Quelle: YouTube/Verlagsgruppe Random House

INHALT

Samantha und Cassie sind schön und beliebt, vor allem aber sind sie eines: unzertrennlich. Zumindest so lange, bis sie eines Tages spurlos verschwinden.

Vier Tage lang fehlt jede Spur der Mädchen, dann taucht Samantha auf, alleine und blutverschmiert. Ihr Gedächtnis hat sie verloren, doch offenbar hat es jemand auf sie abgesehen.

MEINUNG

Nachdem ich bereits einige Bücher von Jennifer L. Armentrout verschlungen habe, war ich nun besonders gespannt darauf zu erfahren, wie mir wohl ein (Jugend-)Thriller der Autorin gefallen würde. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Bereits auf den ersten Seiten baut Jennifer L. Armentrout Spannung auf, indem sie den Leser Teil von Samanthas Erfahrungen werden lässt. Gemeinsam mit der Protagonistin kehrt man in eine Vergangenheit zurück, die man selbst noch nicht kennt und an die Samantha sich nicht erinnert. Die Puzzleteile fügen sich so erst nach einer Weile zu einem großen Ganzen zusammen. Genau diese Lücken sind es aber, die das Buch zu etwas Besonderem machen.

Dennoch hatte ich auf den ersten Seiten Schwierigkeiten in die Geschichte zu finden. Dies lag vor allem daran, dass ich mit Samantha (zumindest mit der Vergangenheits-Samantha) absolut nicht warm wurde, ebenso wenig wie mit ihren Eltern oder ihrem festen Freund – allesamt Protagonisten, die sich durch ihre Oberflächlichkeit mehr als durch ihren Charakter auszeichnen.

Samanthas Bruder und sein Kumpel Carson hingegen bereichern den Plot und sorgen für die nötige Wärme in der Geschichte. Auch mit der neuen Samantha konnte ich mich gut anfreunden. So versank ich nach den ersten Stolpersteinen zunehmend in der Geschichte und begann mitzurätseln, wie sich die Ereignisse wohl zugetragen haben mochten.

Insbesondere die fehlende Sympathie gegenüber einigen Charakteren lässt sie schnell tatverdächtig wirken. Häufig kommt man zu dem Schluss, man sei dem Täter bereits auf die Schliche gekommen. Der Schein aber trügt.

Ein spannendes und kurzweiliges Lesevergnügen und eine Empfehlung für diejenigen, die Jugendthriller oder Jennifer L. Armentrout  lieben.

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IMMER WIEDER IM SOMMER. KATHARINA HERZOG.

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INFOS

Erschienen: 22/04/17
Verlag: Rowohlt
Seitenzahl: 384
ISBN: 978-3499291111
Preis: 12,99€ [D]

ZUR AUTORIN

Katharina Herzog hatte schon immer Spaß daran, sich Geschichten auszudenken und sie aufzuschreiben. Nach einem Abstecher in den Journalismus kehrte sie zur wahren Liebe Belletristik zurück und begann, Romane zu veröffentlichen. Als E-Book-Autorin hat sie sich bereits in die Herzen vieler Leserinnen geschrieben. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.

Quelle: Rowohlt

INHALT

Eigentlich wollte Anna den Sommer dazu nutzen, ihrer Jugendliebe Jan wieder näher zu kommen. Nur dafür hatte sie den Trip zur Insel Amrum, Jans neuer Heimat, geplant.

Nicht eingeplant war allerdings, dass ihre ganze Familie, mitsamt ihrer Mutter und ihrem Exmann, sie nach Amrum begleitet. Und obwohl es zunächst scheint, als legten diese ihr auf der Suche nach dem Glück Steine in den Weg, machen sie ihr ganzes Glück schließlich überhaupt erst möglich.

MEINUNG

Katharina Herzog schildert die Geschichte dreier Generationen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Nicht nur Anne hat für die Sommerferien so ihre Pläne, auch ihre Töchter Sophie und Nelly haben eine ganz genaue Vorstellung davon, wie ihre Ferien auszusehen haben, doch Annas Exmann Max und ihre Mutter Frieda machen den dreien einen Strich durch die Rechnung. Als auch noch ein Anhalter nach einer Mitfahrgelegenheit sucht, droht der alte VW-Bus aus allen Nähten zu platzen. Unausgetragene Konflikte zwischen den Familienmitgliedern machen das Chaos perfekt. Doch es nicht selten kommt es schließlich ganz anders als man denkt…

Katharina Herzog hat mich mit ihrer Geschichte vollends verzaubert. In den 384 Seiten des Buches kommt man jedem Familienmitglied so nahe, wie es in einem Roman eben nur geht. Von Kapitel zu Kapitel wechseln die Perspektiven (Frieda, Anna, Sophie), sodass man als Leser tiefe Einblicke in die Wünsche, Sehnsüchte und Probleme dreier Generationen erhält. Dabei lernt man ganz nebenbei wundervolle Menschen kennen, denen man nach beenden des Buches nur ungern Lebewohl sagt.

Umrahmt von einem wunderschönen Einband und mit einem federleichten Schreibstil schafft es die Autorin Sommerstimmung aufkommen zu lassen. Ein Buch das meines Erachtens nach nicht nur der ideale Reisebegleiter für Sommerurlaube ist, sondern ebenso gut eine Insel im Alltag sein kann.

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DEN MUND VOLL UNGESAGTER DINGE. ANNE FREYTAG.

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Erschienen: 06/03/17
Verlag: Heyne
Seitenzahl: 400
ISBN: 978-3453271036
Preis: 14,99€ [D]

ÜBER DIE AUTORIN

Anne Freytag, geboren 1982, hat International Management studiert und für eine Werbeagentur gearbeitet, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Die Autorin veröffentlichte bereits mehrere Romane für Erwachsene, unter anderem unter ihrem Pseudonym Ally Taylor. Mit ihrem ersten Jugendbuch Mein bester letzter Sommer schrieb sie sich direkt in die Herzen ihrer Leser. Der Roman wurde nicht nur von der Presse gefeiert, sondern auch für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 nominiert. Anne Freytag liebt Musik, Serien sowie die Vorstellung, durch ihre Geschichten tausend und mehr Leben führen zu können.

In diesem Leben wohnt und arbeitet sie derzeit in München – wenn sie nicht gerade in ferne Länder und fremde Städte reist. Manchmal auch nur in Gedanken …

Quelle: Heyne 

INHALT

Als Sophies Vater beschließt, mit ihr zu seiner Freundin nach München zu ziehen, bricht für Sophie eine Welt zusammen. Doch in München angekommen lernt sie das Nachbarsmädchen kennen, Alex.

Alex ist anders, mit ihr kann man gut reden und gut schweigen zugleich. Mit Alex an ihrer Seite blüht Sophie auf – gemeinsam sind sie stark und unbezwingbar. Und so scheint sich letztlich doch noch alles zum Guten zu wenden, bis ein Kuss alles verändert.

MEINUNG

Den Mund voll ungesagter Dinge ist bislang mein erstes (gelesenes) Buch von Anne Freytag und obwohl ich es bereits seit Februar besitze (vielen Dank an dieser Stelle an Heyne fliegt für die überraschende Zusendung), kam ich jetzt erst dazu es zu lesen.

Und was soll ich sagen? Ich bin völlig überwältig von der Vielzahl an Emotionen, die ich beim Lesen durchlaufen habe. Aber fangen wir am besten vorne an:

Ich war natürlich wahnsinnig gespannt darauf, welche Geschichte, sich wohl hinter dem knallroten Einband verbergen würde. Schließlich wusste ich absolut nicht, was ich zu erwarten hatte, mit Anne Freytag habe ich (sozusagen) literarisches Neuland betreten.

Einmal aufgeschlagen konnte ich das Buch jedoch nicht mehr aus der Hand legen. Sophie habe ich, trotz oder gerade wegen ihrer Art, bereits früh ins Herz geschlossen und Alex muss man einfach gern haben. Die Mädchen sind jung und unerfahren und keineswegs perfekt und das ist gut so, weil man nur so die Möglichkeit dazu hat sie auf ihrer Reise zu sich selbst zu begleiten.

Besonders schön ist es, die Charakterentwicklungen mitzuerleben, die sich im Verlauf des Buches vollziehen. Zu Beginn der Geschichte trifft man auf zwei Mädchen, die ihre Unsicherheiten so gut es geht zu verbergen versuchen. Doch ihre Freundschaft lässt sie aufblühen, sie kommen zu neuem Selbstbewusstsein, werden erwachsen.

Der Schreibstil von Anne Freytag steckt voller Emotion und ist zur gleichen Zeit so leicht, dass man mit Hochgefühlen durch die Seiten schwebt. Selbst die traurigsten Stellen haben mich beim Lesen positiv berührt. Es ist schwer in Worte zu fassen, doch die Geschehnisse wirken niemals beklemmend oder bedrückend, es werden zu keinem Zeitpunkt negative Gefühle geschürt – das Buch steckt voll Hoffnung und Lebensfreude.

Während ich häufig mit Buchtiteln hadere, weil sie nicht so recht zur Geschichte passen wollen, könnte der Titel des Buches bei diesem Werk nicht passender gewählt sein. Allzu viel möchte ich hier jedoch nicht vorweg nehmen.

Wer noch zögert das Buch zu lesen, dem möchte ich es an dieser Stelle unbedingt ans Herz legen. Anne Freytag zeigt, dass es manchmal nur den Mut braucht zu sich selbst zu stehen, um Dinge für sich selbst und andere zum Positiven zu wenden und Schönes zu schaffen.

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ANSCHLAG VON RECHTS. REINER ENGELMANN.

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Erschienen: 22/05/17
Verlag: cbj
Seitenzahl: 192
ISBN: 978-3570174371
Preis: 14,99€ [D]

ZUM AUTOR

Reiner Engelmann wurde 1952 in Völkenroth geboren. Nach dem Studium der Sozialpädagogik war er im Schuldienst tätig, wo er sich besonders in den Bereichen der Leseförderung, der Gewaltprävention und der Kinder- und Menschenrechtsbildung starkmachte. Nebenher veröffentlichte er Bücher, vorwiegend zu sozialen Brennpunktthemen. Für Schulklassen und Erwachsene organisiert Reiner Engelmann regelmäßig Studienfahrten nach Auschwitz. Bei einem dieser Aufenthalte lernte er auch Wilhelm Brasse kennen.

Quelle: cbj

INHALT

Spät in der Nacht machen sich drei Freunde auf den Weg, um einen Molotowcocktail in ein Flüchtlingswohnheim zu werfen. Die Bewohner entkommen dem Feuer knapp, doch psychische Folgen greifen zuweilen tiefer, als physische. Die Täter werden gefasst und verhört, sie sind sich keiner Schuld bewusst.

Was motiviert Menschen zu solchen Gewalttaten? Welche Geschichten haben die Täter? Und was haben die Flüchtlinge zu erzählen?

Reiner Engelmann macht sich auf die Suche nach den Hintergründen einer grausamen Tat. Auf Basis einer wahren Begebenheit offenbart er, den Hass der unter der Oberfläche unserer Gesellschaft brodelt und macht aufmerksam auf ein Thema, dem (zu) lange Zeit kaum Beachtung geschenkt wurde.

MEINUNG

Vorab ist zu sagen, dass es sich bei diesem Buch nicht um eine fiktive Geschichte handelt. Reiner Engelmann hat die Hintergründe einer rechtsextremen Tat recherchiert und rekonstruiert Täter, Opfer und Tathergang möglichst authentisch. Als Grundlage dienten ihm Interviews mit Tätern, Opfern und Aussteigern aus der rechten Szene.

In drei Abschnitten schildert der Autor Fluchtgeschichten, Tathergang und den Prozess. Im Anhang finden sich Hinweise Symbole, Marken, Musik und weiteres aus der rechtsextremen Szene. Die Informationen sind kurz und prägnant dargestellt und liefern Anreize zum Weiterdenken, ohne dass das Buch dabei den Charakter eines Sachbuchs annimmt. Der Schreibstil ist einfach, schnörkellos und konzentriert sich auf das Wesentliche.

Als besonders gelungen empfand ich den Einstieg in die Thematik durch die Schilderung unterschiedlicher Fluchtgeschichten. Menschen, die vor Grausamkeit und Elend fliehen suchen in Deutschland Sicherheit und eine Zukunft und stoßen schließlich auf den Hass rechtsextremer Gruppierungen. Ihr Zufluchtsort scheint bedroht, neue Ängste werden geschürt.

Auch die Täter werden in einem ständigen Perspektivwechsel (von einem zum nächsten Täter) beleuchtet. Und schließlich zeigt sich, wie schnell Worte zu Taten werden, während die Ignoranz anderer den Tätern zugleich Spielräume eröffnet.

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Mit seinem Buch greift Reiner Engelmann eine wichtige Thematik auf und bleibt dabei zu jeder Zeit sachlich. Täter wie Opfer werden ohne Wertung illustriert, es ist Aufgabe des Lesers Weiterzudenken, die eigene Perspektive zu erweitern und womöglich das eigene Handeln zu überdenken. Das abschließende Urteil des Gerichts ist eindeutig und beendet zugleich die Schilderung der Vorkommnisse.

Ein ausführliches Nachwort greift Fluchtursachen und Ängste rechtspopulistischer Gruppierungen auf und mündet schließlich in der Erkenntnis: auch der Holocaust kam nicht von ungefähr.

Viele kleine Dinge seien es gewesen, die sich im Laufe der Jahre aufgetürmt hätten. Das Schlimmste sei der Hass gewesen. (S.170)

Anschlag von rechts eignet sich als Freizeitlektüre für Jugendliche und junge Erwachsene, ebenso wie für die Integration in den schulischen Unterricht. Eine Wertung fällt mir schwer, da ich abseits der Zielgruppe des Buches liege und durch mein Studium bereits recht tief in das Thema Rechtsextremismus und Fremdenhass eingestiegen bin. In der Lektüre fehlten mir allerdings einige Informationen, das Thema hätte durchaus breiter behandelt werden können – selbst für eine jüngere Leserschaft.

Eine absolute Buchempfehlung gibt es hingegen, für alle die sich hier einer für sie völlig neuen Thematik widmen.

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COUCHSURFING IN RUSSLAND. STEPHAN ORTH.

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Erschienen: 20/03/17
Verlag: Malik
Seitenzahl: 256
ISBN: 978-3890294759
Preis: 16,99€ [D]

ZUM AUTOR

Stephan Orth, Jahrgang 1979, studierte Anglistik, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie und Journalismus. Von 2008 bis 2016 arbeitete er als Redakteur im Reiseressort von SPIEGEL ONLINE, bevor er sich als Autor selbstständig machte. Für seine Reportagen wurde Orth mehrfach mit dem Columbus-Preis ausgezeichnet. Er ist Autor des Nr.1-Bestsellers »Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt«. Bei Malik erschienen seine Bücher »Opas Eisberg« und »Couchsurfing im Iran: Meine Reise hinter verschlossene Türen«, das Platz 4 der SPIEGEL-Bestsellerliste erreichte und dort mehr als 70 Wochen lang vertreten war. Seit März 2017 ist der Nachfolger »Couchsurfing in Russland« erhältlich.

Quelle: Piper

INHALT

Zehn Wochen lang reist Stephan Orth durch Russland, übernachtet in unzähligen Betten und macht Bekanntschaft mit den Bewohnern des größten Landes der Erde. Munter reist der Couchsurfer von Moskau bis St Petersburg, von Yekaterinburg bis Nowosibirsk und ist dabei (beinahe) nicht aufzuhalten.

Während seiner Reise trifft er auf Putin-Versteher und Gläubige, auf Wissenschaftler und Musiker, auf die schönste Frau des Landes und auf Verschwörungstheoretiker. Nicht selten eint sie nur ihr Herkunftsland.

MEINUNG

Bereits Couchsurfing im Iran habe ich mit Begeisterung verschlungen und so waren meine Erwartungen an den Folgeband entsprechend hoch, doch tatsächlich hat Couchsurfing in Russland es geschafft, seinen Vorgängerband zu übertrumpfen.

Gewohnt ehrlich und frei von Vorurteil schildert Stephan Orth seine zehnwöchige Couchsurfing-Odysee durch das größte Land der Erde. Dabei macht er dem Leser Land und Leute so schmackhaft wie es eben nur geht. Gekonnt setzt der ehemalige Spiegel-Redakteur die skurrilsten Persönlichkeiten durch seine Schilderungen in Szene, ohne dabei wertend zu werden. Dank zahlreicher Konversationen zwischen Orth und seinen Gastgebern lernt man auch als Leser Menschen kennen, denen man so (vermutlich) nie begegnet wäre. Und es zeigt sich: Wer offen auf andere zugeht, wird (zumeist) auch mit offenen Armen empfangen.

Wenn wir alle ein bisschen weniger Angst hätten, wäre schon viel erreicht.

Russland ist ebenso vielfältig wie weit, das wird beim Lesen nur allzu deutlich. Vom Fastenbrechen im Nordkaukasus, über die Zeitcafés in Sankt Petersburg, bis hin zum Besuch einer Endzeit-Sekte in Sibirien, Stephan Orth kennt kein Halten.

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Und wieder einmal zeigt sich, dass nicht alle Bewohner eines Landes über einen Kamm zu scheren sind. Ein jeder hier hat einen eigenen Glauben, eigene Sorgen und Probleme und vor allem ganz eigenen Träume.

Russland umfasst so viele Mikrokosmen und Mikrokulturen, dass man sich wie auf einer Weltreise fühlen kann, ohne das Land zu verlassen.

Wie viel (positives) könnten wir in unserer Welt erschaffen, indem wir uns alle selbst ein Bild machten von anderen Ländern und Kulturen, ohne übereilt zu urteilen. Stephan Orth macht sich auf die Reise, um zu verstehen und öffnet uns mit seinem Buch ein Stück weit die Augen.

Eine absolute Buchempfehlung also von mir.

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GEGEN LIEBE IST KEIN KRAUT GEWACHSEN. ABBI WAXMAN.

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INFOS

Erschienen: 24/03/17
Verlag: Rowohlt
Seitenzahl: 368
ISBN: 978-3-499-27276-9
Preis: 9,99€ [D]

ZUR AUTORIN

Abbi Waxman wurde in England geboren und arbeitete für diverse namhafte Werbeagenturen in London und New York. Nachdem sie als Ghostwriterin von Nicole Ritchie deren ersten Roman geschrieben hatte, wandte sie der Werbebranche den Rücken zu und arbeitet seitdem als Drehbuchautorin fürs amerikanische Fernsehen. Abbi Waxman lebt zusammen mit ihrem Mann, drei Kindern, drei Hunden und sieben Hühnern in Los Angeles. Dies ist ihr erster Roman. Er wurde auf Anhieb in vierzehn Länder verkauft.

Quelle: Rowohlt

INHALT

Seit dem Tod ihres Mannes vor einigen Jahren scheint Lilian in ihrem Alltagstrott gefangen. Mit Job und zwei kleinen Kindern hat sie genug um die Ohren. Selbst ihr guter Engel Rachel, die treue Gehilfin und Schwester in einer Person verkörpert, kann daran nichts rütteln.

Doch dann steht plötzlich die Zukunft ihrer Firma auf dem Spiel. Ein Job beim wichtigsten Kunden der Firma soll die Finanzen ausgleichen. Der Auftrag lautet: Ein Gemüsebuch illustrieren. Und so wird Lilian von ihrer Chefin kurzerhand in einen Gärtnerkurs eingeschrieben, schließlich müssen die Illustrationen überzeugen.

Doch was zunächst nach Dreck und Arbeit klingt, entwickelt sich zu einem wahren Neuanfang, nicht nur für Lilian.

MEINUNG

Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen ist ein Buch, das mich wahnsinnig positiv überrascht hat. Denn zugegebenermaßen hätte ich im Laden wohl vermutlich nicht dazu gegriffen. Die Covergestaltung ist zwar liebevoll, lässt jedoch eine andere Zielgruppe als meine (Studenten Mitte 20) verlauten. Als der Rowohlt-Verlag und LovelyBooks mir das Buch überraschend zusendeten, entschloss ich mich allerdings mal einen Blick in ein Buch abseits meiner Lesegewohnheiten zu werfen. Und ich muss sagen: Es hat sich gelohnt. Selten hat mich ein Buch so beglückt, so häufig zum Lachen und dabei ebenso häufig zum Nachdenken gebracht. Die Situationen sind aus dem Alltag gegriffen, völlig realistisch und waren mir teilweise nur allzu gut bekannt.

Im Fokus der Geschichte stehen die Protagonisten, mit ihren Schicksalen und Geschichten und natürlich mit ihrem Träumen und Hoffnungen. Besonders ans Herz gewachsen sind mir beim Lesen Lilians Schwester und Lilians kleine Töchter. Aber auch die weiteren Charaktere versprühen solch einen Charme, dass einem dabei warm ums Herz wird. Ohne die liebevoll ausgewählten Charaktere wäre das Buch nicht halb so perfekt.

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm leicht, absolut flüssig und verleitet zum Weiterlesen, sodass das Buch bei mir richtiggehend zum Pageturner avancierte. Abbi Waxman hat mich mit ihrem Erstlingswerk überzeugt, sodass ich nun aufrichtig sagen kann, dass ich mich auf weitere Romane von ihr freue.

Ein Buch, das wie gemacht ist für den Sommer.

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FARM DER TIERE. GEORGE ORWELL.

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INFOS

Erschienen: 26/04/17
Verlag: Diogenes
Seitenzahl: 192
ISBN: 978-3-257-26137-0
Preis: 10,00€ [D], sFr 13.00*

ZUM AUTOR

George Orwell, eigtl. Eric Arthur Blair, wurde am 25. Juni 1903 in Bengalen, Nordostindien, geboren. In England besuchte er als armer Stipendiat eine Eliteschule. Er diente fünf Jahre in Burma bei der Indian Imperial Police, dann kündigte er, weil er »auf keinen Fall länger einem Imperialismus dienen konnte«, den er als »ziemlich großen Volksbetrug durchschaut hatte«. Er gesellte sich als Tellerwäscher, Hilfslehrer, Hopfenpflücker und als Buch- und Gemischtwarenhändler zum Proletariat, dessen Leben er in Reportagen und Büchern beschrieb. Zur entscheidenden Erfahrung, die in seine Negativutopien Farm der Tiere und 1984 und in die meisterhaften Essays einging, wurde sein Engagement in der kommunistischen Miliz im Spanischen Bürgerkrieg, in dem er schwer verwundet wurde. Danach arbeitete Orwell in London für die BBC, das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte er als Korrespondent des Observer in Deutschland und Frankreich. Orwell starb am 21. Januar 1950 in London.

Quelle: Diogenes

INHALT

Kurz vor seinem Tod bittet der Eber Old Major die Tiere auf Bauer Jones Farm sich in der Scheune zu versammeln. Er hat Großes zu verkünden, von einem Traum. Von einem Traum der Freiheit verspricht. In diesem Traum werden Tiere nicht weiter von Menschen kommandiert, sind ihre eigenen Herren, verfügen über ihren eigenen Besitz. In einer solchen Welt sind alle Tiere gleich.

Als es den Tieren nach dem Tod des Ebers gelingt, den Farmer tatsächlich zu stürzen, wähnen sie sich in Freiheit, blicken einem gleichberechtigten Leben entgegen.

Doch was sich zunächst nach Freiheit anfühlt, scheint mit der Zeit die Gestalt eines Trugbilds anzunehmen.

MEINUNG

Während Tiere bekanntermaßen häufig die Protagonisten in Kinderbüchern darstellen, zieht Orwell ebenjene als Mittel der Fiktionalisierung gesellschaftlicher Prozesse heran. Der Bezug zu historischen Entwicklungen ist allerdings nicht sehr subtil, sodass die Verlage anfänglich eine ausgesprochen deutliche Abneigung gegen Orwells Werk zu Tage tragen.

Farm der Tiere ist eine Parabel (von Orwell wurde das Werk als Märchen betitelt), die modellhaft die Entwicklung von der Oktoberrevolution bis hin zum Stalinismus nachzeichnet.

Nachdem die Tiere die Herrschaft über die Farm erfolgreich an sich gerissen haben, bestellen sie ihre Felder in Eigenregie. Die Erträge lassen zu wünschen übrig, doch zugleich sind sich alle einig: ohne Bauer Jones geht es uns besser.

Und so stürzen sich die Tiere in unbändiger Euphorie auf die (Mehr-)Arbeit, ungeachtet dessen, dass einige von ihnen hierbei nicht selten leer ausgehen. Während eine der wichtigsten Regeln des Animalismus zunächst lautete: Alle Tiere sind gleich, schleichen sich in das Farmleben nun zunehmend Hierarchien ein.

Insbesondere die Schweine, die ursprünglich den Anstoß zur Revolution gaben, verfallen zunehmend in menschliche Sitten. Und schließlich wagen die anderen Tiere kaum mehr einen Unterschied zu treffen zwischen Schwein und Mensch. Als Ebenbild Stalins tritt der Eber Napoleon vor die anderen Tiere und verkündet, vom heutigen Tage an übernehme er die Führung.

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Orwell vermeidet unnötige Schlenker, konzentriert sich in der Geschichte vollkommen auf die Haupthandlung und bekennt ganz klar Farbe. Seine Schilderungen sind eingängig und verdeutlichen die Komplexität gesellschaftlicher Prozesse. Während die Machtmechanismen von außen klar erkennbar sind, scheinen die Tiere in ihrem Glauben an das Gute, das der Revolution zwangsläufig folgen muss, gefangen zu sein. Ohne ihren Herren sind sie offensichtlich frei. Weniger offensichtlich sind die neuen Zwänge, die ihnen durch ihresgleichen aufgebürdet werden. Gekonnt vermögen es die Schweine jegliche Ansätze des eigenen Denkens in den anderen Tieren zu unterbinden und sich so ihre Machstellung zu sichern.

Farm der Tiere sollte definitiv jeder gelesen haben. Orwell ist zeitlos, regt zum kritischen Denken an und weiß grundlegende gesellschaftliche Wahrheiten in einfachen Geschichten zu verpacken.

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